Zum aktuellen Herpesvirusausbruch im Pferdesport, März 2021


Liebe Besitzer und Freunde des Trainingbetriebes von Gerald Geisler,

aus aktuellem Anlass bat mich Gerald, ihm eine kurze Abhandlung in möglichst verständlichen Worten über das Herpesvirus zur Verfügung zu stellen.
Das Equine Herpesvirus (EHV) kann nicht auf den Menschen übertragen werden und hat mit dem menschlichen Herpesvirus nur den Stamm gemein. Die gefährlichen EHV sind 1 und 4, die wichtigsten Erkrankungen betreffen die Atemwege und können über eine Ausbreitung im Blut in der Folge zu neurologischen Symptomen bis zum Verlust der Fähigkeit zu stehen führen. Für den Rennstall ist das durch EHV ebenfalls verursachte seuchenhafte Verfohlen der Stuten nur insofern relevant, als dass jedermann sich seiner Verantwortung bewusst sein muss und niemand derzeit ein Gestüt besuchen sollte. Die ersten Symptome in Phase I sind ein reduziertes Verhalten, oft noch ohne erkennbare Beeinträchtigung der Atemwege. Es muß in diesem Fall sofort 2x täglich Temperatur gemessen werden und die Ergebnisse sollten dokumentiert werden, da niemand in der Lage ist, sich die einzelnen Ergebnisse zu merken. Es kommt zu einer Vermehrung des Virus und bei einem schlechten Verlauf in Phase II zu einer Ausbreitung über das Blut, wodurch dann die neurologischen Krankheitsbilder entstehen können (Phase III).

Ich hoffe, ihnen trotz aller Vereinfachungen eine Vorstellung der Entwicklung und Folgen einer EHV Infektion vermittelt zu haben. Eine ordnungsgemäße Impfung gegen EHV beeinflusst die Phasen I und II, bedeutet leider aber keinen absoluten Schutz vor dieser grausamen Erkrankung. Die Entwicklung und Ausbreitung der EHV-Erkrankung ist abhänig von dem individuellen Immunstatus, der durch Stress stark beeinflussbar ist und von dem Infektionsdruck in einem Bestand. Der absolut beste Bestandsschutz ist, die Transporte möglichst weitgehend zu reduzieren, Neueinstellungen nur mit negativem Tupferergebnis und den Kontakt zu anderen Ställen durch Personal und Besitzer zu vermeiden.
Die meisten von ihnen haben sicher von dem katastrophlen Infektionsverlauf der EHV in Valencia gehört, nicht bekannt dürfte sein, daß die spanischen Kollegen rund um die Uhr gearbeitet haben und dass alle Klinikplätze immer belegt waren, dass Stallzelte in provisorische Klinikplätze umfunktioniert wurden und daß zur Bewältigung der Betreung aus anderen europäischen Länder Tierärzte und Behandlungsmaterial nach Valencia gebracht wurde. trotzdem sind viele Pferde gestorben, meist nach längerem Kampf und noch mehr sind nach dem Überleben der Infektion dauerhaft gesundheitlich (Atemwege/neurolog. Symptome)geschädigt.
Bereits vor Valencia war es zu Ausbrüchen von EHV-Erkrankungen in mehreren europäischen Regionen gekommen. Durch die große Bewegung der Pferde wegen Turnieren, Shows und auch Rennsportveranstaltungen ist es nicht absehbar, wo der nächste Hotspot sein wird. Um diese Gefahr möglichst einzudämmen, haben die FEI und FN alle Veranstaltungen vorläufig bis zum 28.3.2021 abgesagt. Ich hoffe sehr, der Rennsport zeigt genug Verantwortungsbewusstsein, ebenfalls die Veranstaltungen zu canceln um größere Schäden zu vermeiden.

Starter


So., 21. Nov. - München
4.R.
Naduah
4.
7.R.
Carolus
7.
Kontakt: An der Rennbahn 8-9, 76473 Iffezheim | Tel: +49/(0)176/ 205 70 115 | Email: gerald.geisler@gmx.de